Symptome eines Burnouts

Wenn der Alltag zum Überlebenskampf wird

Bei einem Burnout handelt es sich um einen anhaltenden emotionalen und körperlichen Erschöpfungszustand, der sowohl mit psychischen als auch physischen Symptomen einhergehen kann. Burnout entsteht also nicht von einem Tag auf den anderen, sondern stellt meist das Ende einer längeren Phase von Stress im Berufs- und auch Privatleben, von hohem Leistungsdruck und wenig Erholung dar. Betroffene fühlen sich dann oft leer, ausgebrannt und energielos.

Je eher die Symptome eines Burnout erkannt werden, desto einfacher kann der Entwicklung gegengesteuert und die Energiebalance wiederhergestellt werden. Finde im folgenden Text die häufigsten Symptome und die Darstellung eines typischen Verlaufs von Burnout.

 

Ursachen und Risikofaktoren

Rund 7% aller Erwerbstätigen in Europa leiden an Burnout Symptomen, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Dabei kann es grundsätzlich jede/n treffen, seien es Lehrer, Manager, Alleinerziehende oder Rentner. Dementsprechend sind auch die Ursachen von Burnout vielfältig. Burnout hat niemals nur eine Ursache!

Burnout kann jeden Menschen treffen und hat niemals nur eine Ursache!

Als ein anerkanntes Erklärungsmodell gilt das Vulnerabilitäts-Stress-Modell, nach welchem einerseits äussere Faktoren, aber auch die psychische und physische Verfassung der Person eine Rolle spielen. Als äussere Einflüsse gelten Stress und anhaltende Belastungen am Arbeitsplatz (z.B. sich anhäufende Aufgaben, Zeitdruck, hohes Mass an Verantwortung, sich ständig kontrolliert fühlen, angespannte Stimmung im Team, etc.). Dann hat aber auch die Vulnerabilität der betroffenen Person einen Einfluss. Mit Vulnerabilität ist allgemein die Verletzlichkeit, bzw. die gesundheitliche Verfassung des Menschen gemeint. Ebenfalls können Persönlichkeitseigenschaften eine Rolle spielen. Beispielsweise sind Menschen eher gefährdet, die eine hohe Leistungsbereitschaft, ein hohes Kontrollbedürfnis und hohe Erwartungen an sich selbst mitbringen. Des Weiteren gilt es auch das soziale Umfeld der Betroffenen zu beachten, welche einen positiven wie auch negativen Einfluss auf die Entwicklung eines Burnouts haben kann.

All diese Faktoren in Kombination können dazu führen, dass gewisse Menschen anhaltende Belastungen am Arbeitsplatz nicht mehr oder unzureichend bewältigen können.

 

Symptome in Abhängigkeit von der Erkrankungsphase

Belastungen können sich emotional, physisch, kognitiv sowie psychosomatisch auswirken und verändern sich je nach Erkrankungsphase. Im Folgenden findest du eine Darstellung des Krankheitsverlaufes mit den dazugehörigen Symptomen aufgeteilt nach sieben Phasen.

Das sieben Phasenmodell wurde von Prof. Dr. Matthias Burisch von der Universität Hamburg entwickelt, der sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Burnout auseinandersetzt. Im Modell wird betont, dass es sich dabei um einen typischen Verlauf handelt, der sich aber individuell gestaltet. So können Phasen übersprungen oder gar verschoben werden.

 

Anfangsphase: Übermotivation

Die Betroffenen stecken meist enorm viel Energie in die Arbeit, sei es aufgrund von Ehrgeiz oder aufgrund von äusseren Faktoren, die hohe Leistung erfordern. Es fällt ihnen zunehmend schwerer von der Arbeit abzuschalten und sie können sich dementsprechend weniger gut erholen. Dadurch fällt die Leistung ab und die Betroffenen müssen noch mehr Energie in die Arbeit investieren. Es beginnt ein Kreislauf. Folgende Symptome, bzw. Warnsignale können sich zeigen:

  • das Gefühl haben, dass man unentbehrlich ist
  • das Gefühl haben, dass man nie genug Zeit hat
  • die eigenen Bedürfnisse werden nicht beachtet
  • Misserfolg und Enttäuschung werden verdrängt
  • private soziale Kontakte werden minimiert
  • Rastlosigkeit
  • Energiemangel
  • Schlafmangel
  • geschwächtes Immunsystem

 

Zweite Phase: Rückzug

Waren die Betroffenen zu Beginn noch überengagiert, erleben sie nun zunehmend Frustration und Enttäuschung, wenn ihnen für den geleisteten Einsatz nicht die entsprechende Anerkennung geboten wird. Sie entwickeln einen inneren Widerwillen gegen die Arbeit, kommen z.B. später zur Arbeit und gehen früher oder nehmen längere Pausen. Im Umgang mit anderen nimmt Empathie und Anteilnahme ab, sie werden zunehmend emotional kalt und gar zynisch. Schliesslich haben Betroffene kaum mehr Zeit und Kraft für die Familie und fordern von den Partnern immer mehr, ohne etwas zurückzugeben. Weitere Symptome können sein:

  • das Engagement lässt nach
  • man fühlt sich nicht genug wertgeschätzt
  • man fühlt sich ausgebeutet
  • Energieschub in der Freizeit
  • negative Gefühle den Arbeitskollegen gegenüber

 

Dritte Phase: Schuldzuweisungen

Die Betroffenen realisieren, dass die Realität nicht dem entspricht, was sie sich wünschen würden und weisen sich selbst oder anderen Schuld zu. Daraus ergeben sich entweder depressive oder aggressive Symptome:

Depressive Symptome:

  • Ohnmacht und Hilflosigkeit
  • innere Leere
  • schwindendes Selbstwertgefühl
  • Angst
  • Energiemangel
  • Pessimismus
  • Selbstmitleid
  • Apathie
  • erhöhte Nervosität

 

Aggressive Symptome:

  • Schuldzuweisung
  • Reizbarkeit, Ungeduld
  • Zorn
  • Negativismus
  • Misstrauen
  • Intoleranz
  • unfähig, Kompromisse einzugehen

 

Vierte Phase: Abbau der Leistungsfähigkeit

Die Leistungen der Betroffenen bei der Arbeit werden zunehmend schlechter. Es zeigen sich:

  • Flüchtigkeitsfehler
  • Termine werden vergessen
  • Kreativität nimmt ab
  • komplexe Aufgaben können nicht gelöst werden
  • Entscheidungsschwierigkeiten
  • Schwarz-Weiss-Denken
  • Abneigung gegenüber Veränderungen

 

Fünfte Phase: Gleichgültigkeit

Die Betroffenen ziehen sich aus dem Freundeskreis und der Familie zurück und verspüren Desinteresse gegenüber eigenen Interessen (Hobbies etc.).

 

Sechste Phase: Psychosomatische Reaktion

Die psychische Belastung schlägt sich körperlich nieder. Es entstehen psychosomatische Symptome.

  • Schlafstörung
  • Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelverspannung
  • erhöhter Blutdruck
  • Verdauungsbeschwerden
  • sexuelle Probleme
  • Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Migräne
  • Panikattacken
  • vermehrter Konsum von Nikotin, Alkohol oder Kaffee

 

Siebte Phase: Verzweiflung

Das Leben erscheint den Betroffenen als sinnlos, nutzlos und hoffnungslos. Es können Suizidgedanken auftauchen.

 

Selbsttest

Fragst du dich, ob du an einem Burnout leidest, bzw. erkennst deine Geschichte in den oben beschriebenen Symptome wieder? Dann schaue dir doch unseren anonymen Selbsttest an, der wichtige Merkmale und Symptome von Burnout abfragt und dir eine erste Einschätzung erlaubt. Dieser Test kann aber nicht die Einschätzung von Fachpersonen wie Ärzten, Psychiatern oder Psychotherapeuten ersetzen. Suche also bei grossem Leidensdruck immer das Gespräch mit einem/r Experten:in.

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Es ist sehr wichtig, Warnsignale ernst zu nehmen und sich professionelle Hilfe zu holen. Durch das frühzeitige Intervenieren kannst du verhindern, dass sich aus dem Burnout eine schwere Depression oder eine andere psychische Belastung entwickelt. Bei Aepsy findest du eine grosse Auswahl an Therapeut:innen, die sich mit diesem Thema auskennen und dir helfen können, den Weg aus dem Teufelskreis zu finden.

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Bei Aepsy legen wir grossen Wert darauf, Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die den Umgang mit psychischen Stressoren erleichtern und eine Hilfe zur Selbsthilfe sein können. In der nachfolgenden Rubrik findest du Aktivitäten, Texte und Tipps für dein mentales Wohlbefinden. Für dich und für eine gesunde Gesellschaft.

Ressourcen & Support

Aepsy menschliche Kreativität, Ästhetik und Technologie für einfachen, stigmafreien Zugang zu mentaler Gesundheit. Wir reissen Hürden ein und setzten Köpfe frei. Bis alle mental befreit ihren Träumen folgen können. Für uns, für dich und die Generationen nach uns.

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