Ich lasse mich aufrichtig auf eine Beziehung mit meinem Gegenüber ein

Ambassador interview mit Damaris Bickel | 4. Apr. 2021

Wie lange bist du bereits therapeutisch tätig?

Meine ersten Erfahrungen im psychotherapeutischen Schaffen habe ich vor ungefähr 8 Jahren gemacht. Seit sechs Jahren arbeite ich nun intensiv in diesem Bereich und bilde mich kontinuierlich fort.

Andere Berufs-/Lebenserfahrung, die dir in deiner therapeutischen Arbeit zugutekommt?

Während meines Studiums habe ich in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet, was mir den Kontakt zu einer grossen Bandbreite an Menschen ermöglichte und mich ebenso bereicherte. Dazu zählt unter anderem die Arbeit in einem Hotel, in der Gastronomie, im Verkauf und in einer Marketingagentur.

Wie würdest du die Persönlichkeit hinter dem/der Therapeut/in beschreiben?

Ich lebe diesen Beruf. Schon immer war ich interessiert an innerpsychischen Prozessen meiner Mitmenschen und mir selber. Diese Leidenschaft hat vermutlich die Nebenerscheinung, dass es mir an Ernsthaftigkeit nicht mangelt. Gleichzeitig macht mich dieses grosse Interesse am Menschen auch weltoffen und verständnisvoll.

damaris bickel's illustration

Was ist deine persönliche Superpower/ Secret Sauce?

Meinen therapeutischen Stil würde ich als authentisch und nahbar beschreiben. Ich lasse mich aufrichtig auf eine Beziehung zu meinen Klientinnen und Klienten ein. Ich denke, das spürt mein Gegenüber.

Wie grenzt sich deine Therapiemethode von anderen Richtungen ab?

Die systemische Therapie unterscheidet sich aus meiner Sicht insbesondere durch ihre ressourcen- und lösungsorientierte anstelle der defizitorientierten Perspektive von anderen Therapierichtungen. Ich sehe mein Gegenüber als Experten/in seiner/ihrer selbst und gehe davon aus, dass die Lösung für das Problem bereits in ihr/ihm steckt. Gemeinsam wird im Lebenskontext der Klienten nach symptomfördernden Interaktionen und Strukturen gesucht. Das Ziel ist es, diese durch gesundheitsfördernde Alternativen zu ersetzen. Ich als Therapeutin biete dabei verschiedene Werkzeuge an, wobei der/die Klient/in entscheidet, welches für sie/ihn das Passende ist. Manchmal kann es auch hilfreich sein, wenn das direkte Umfeld (z.B. Familie, Partner/in) in die Therapie miteinbezogen wird, was ebenfalls ein wichtiges Element der systemischen Therapie darstellt. Ob und wann diese Option Sinn macht, wird stets im Dialog mit den Klienten entschieden.

Was passiert in der ersten gemeinsamen Sitzung?

Primär geht es in der ersten gemeinsamen Sitzung um ein persönliches Kennenlernen. Denn nur wenn es auf der zwischenmenschlichen Ebene passt, wird die Therapie erfolgreich verlaufen. Zum Kennenlernen zählt dazu, dass die Klienten von der aktuellen Belastungssituation berichten und dazu gegebenenfalls Fragen stellen können. Der/die Klient/in entscheidet, worüber er/sie sprechen möchte und worüber nicht. Manchmal kommt man dann bereits dazu, die Richtung der Zusammenarbeit etwas abzustecken, gemeinsam eine erste Hypothese zu formulieren und Ziele zu definieren.

Wie laufen Sitzungen generell ab?

Das Erstgespräch dauert in der Regel 50 bis 75 Minuten, dabei sitzen wir uns auf bequemen Stühlen gegenüber und sprechen miteinander. Ich mache mir dabei Notizen, welche jedoch keine „geheimen Interpretationen“ beinhalten, sondern lediglich als Erinnerungshilfe dienen.

"Wir sitzen uns auf bequemen Stühlen gegenüber und sprechen miteinander"

Wo finden die Sitzungen statt?

In meinem Praxisraum an der Flühgasse 17, 8008 Zürich. Bei Bedarf können einzelne Sitzungen auch online stattfinden.

Was beeinflusst die Länge einer Therapie?

Zentral ist dabei das individuelle Ziel des Klienten/der Klientin. Geht es beispielsweise primär darum, Symptome „loszuwerden“ dauert die Therapie weniger lange, als wenn jemand die Muster verstehen und verändern möchte. Ausserdem beeinflusst die Schwere der Problematik den Verlauf der Behandlung. Das heisst, die Behandlung einer schweren Depression dauert in der Regel länger als wenn eine Person lediglich Verstimmungen im Rahmen einer Belastungssituation zeigt. Wann der passende Zeitpunkt ist, um die Therapie zu beenden, entscheidet letztlich der Klient/die Klientin.

Wie rasch können sich positive Resultate einstellen und auf was kommt es an?

Häufig zeigen sich erste Resultate schon nach wenigen Sitzungen. Gleichzeitig bemerken viele Klientinnen und Klienten im Laufe der Therapie aber, dass die Veränderung von festgefahrenen Mustern nicht leicht ist. Wer dran bleibt, wird jedoch oft belohnt und neue Verhaltensweisen etablieren sich mehr und mehr im Alltag. Dies wiederum wirkt sich meist positiv auf die allgemeine Zufriedenheit und Stabilität aus.

Hast du Spezialgebiete oder Fokusthemen, die du besonders oft berätst?

Familien, Paare und junge Erwachsene.

Was macht dich zu einer Expertin in diesem Bereich?

Ich konnte seit Beginn meiner therapeutischen Tätigkeit viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit jungen Erwachsenen und ihren Familien sammeln. Diese Spezialisierung hat einerseits mit meinen bisherigen Arbeitsorten, andererseits mit meinem persönlichen Interesse zu tun. Meinen Fokus im Bereich Fortbildung habe ich ebenfalls in diesem Bereich gelegt.

Wie erkenne man, ob man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte?

Die individuelle „Leidensbereitschaft“ variiert von Mensch zu Mensch sehr. Für die einen mag der Wunsch nach einer Therapie aufkommen, wenn die persönliche Lebensqualität abnimmt ohne das Vorhandensein klinisch relevanter Symptome (d.h. keine psychiatrische Diagnose) vorliegt. Andere Menschen suchen erst dann Hilfe auf, wenn sie monate- oder gar jahrelang ausser Gefecht gesetzt waren.

Gradmesser ist aus meiner Sicht das subjektive Erleben des Klienten/der Klientin. Ohne Therapiemotivation ist die Chance auf einen günstigen Therapieverlauf gering.

Was kann jemand tun, wenn er einer Drittperson in einer sehr belastenden Situation helfen möchte?

Es kann hilfreich sein, wenn man gegenüber einer Freundin oder einem Freund die eigene Sorge zum Ausdruck bringt, ohne Druck auszuüben oder gar Vorwürfe zu formulieren. Jemanden zu einer Therapie zu überreden, hilft selten. Stattdessen kann man z.B. auch anbieten, auf der Suche nach einer passenden Therapieoption zu unterstützen.

Damaris Bickel

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