Klienten werden nie als hilflos betrachtet, sondern immer als Experten ihrer Selbst

Ambassador interview mit Ramona Zenger | 4. Apr. 2021

Wie bist du zur Psychologie / Psychotherapie gekommen?

Zur Psychologie bin ich durch meine Neugier am Verhalten von Menschen gekommen. Soziale Aspekte haben mich seit dem Kindergartenalter interessiert. Mein Deutschlehrer im Gymnasium, der parallel als Psychoanalytiker arbeitete, hat mich in verschiedener Hinsicht inspiriert und mein Interesse an Psychologie und Psychotherapie gefördert. Sein Wissen über Menschen und Psychotherapie hat mich beeindruckt. 


 

 

Was treibt dich heute noch an?

Durch meine Offenheit und Neugier habe ich schon immer Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen gehabt. 

Ich denke, meine Offenheit und Empathie für Menschen in Verbindung mit dem Bedürfnis Menschen in ihrer Individualität und Eigenartigkeit zu stärken, treiben mich bis heute sehr stark an als Psychotherapeutin tätig zu sein.

 

Wie lange bist du bereits therapeutisch tätig? 

Ich bin seit 2016 therapeutisch tätig. In den letzten 4-5 Jahren habe ich ambulant sowie auch stationär gearbeitet. Ich habe Erfahrung in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien/Paaren. 

 

Andere Berufs-/Lebenserfahrung, die dir in deiner therapeutischen Arbeit zugutekommt? 

Ich habe Studentenjobs in den unterschiedlichsten Branchen gemacht. Die Erfahrungen im Catering, im Detailhandel, in der Gastronomie, in einer Weiterbildung, beim Elternnotruf haben mir geholfen, die Fähigkeit sich in Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Perspektiven, zu erweitern. 

 

Wie würdest du die Persönlichkeit hinter dem/der Therapeut/in beschreiben? 

Ich bin eine empathische, feinfühlige und herzliche Person. Ich möchte jedem Menschen auf Augenhöhe begegnen und bin der Meinung, dass jeder Mensch nach bestem Wissen und Gewissen handelt. 

 

Was ist deine persönliche Superpower/ Secret Sauce?

Meine Superpower ist die Förderung der Selbstfürsorge. Sowie anhand von Achtsamkeitsübungen die bewusste Wahrnehmung zu schulen. 

 

Welche Therapierichtung bedienst du dich mehrheitlich und wieso?

Als ausgebildete systemische Psychotherapeutin arbeite ich systemisch. Der Fokus der systemischen Therapie liegt auf dem sozialen Kontext psychischer Probleme und den Ressourcen (Ressourcen sind innere Potentiale eines Menschen, beispielsweise Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse, Hobbies, Erfahrungen, Talente, Neigungen und Stärken). In der systemischen Psychotherapie werden häufig in Absprache mit den Klienten/innen Angehörige in die Therapie miteinbezogen. Wenn es zum Problembereich passt, bediene ich mich auch verhaltenstherapeutischer Methoden.

 

Wie grenzt sich diese Therapiemethode von anderen Richtungen ab? 

Wir systemischen Psychotherapeuten/innen gehen weniger von Störungsbildern, sondern von Problembereichen aus. Ausserdem fokussieren wir uns auf die Ressourcen und Stärken unserer Klienten/innen und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Der Klient, respektive die Klientin, wird nicht als hilflos betrachtet, sondern als Experten seiner Selbst. Des weiteren arbeiten wir transparent und orientieren uns an den Selbstorganisationsprozessen der Klienten/innen.

 

Was passiert in der ersten gemeinsamen Sitzung wie laufen Sitzungen generell ab? 

In einer ersten gemeinsamen Sitzung liegt der Fokus auf dem gegenseitigen Kennenlernen. Wir klären das persönliche Anliegen, mit welchem die Klienten/innen zu mir kommen. Es dürfen auch Angehörige oder Bezugspersonen teilnehmen, welche unterstützen und zusätzliche Informationen zum systemischen Kontext beitragen. Gemeinsam versuchen wir die persönlichen Ressourcen zu explorieren. Anhand einer Auftragsklärung werden erste Ziele formuliert und Weichen gestellt, in welche Richtung die Problemlösung gehen soll. Eine Vorbereitung braucht es nicht. 

 

Wo finden die Sitzungen statt? 

Die Sitzungen finden in unserem Institut für systemische Psychologie und Psychotherapie in Zürich, oder auf Wunsch natürlich auch online, statt. 

 

Wie beeinflusst dein persönlicher Therapiestil deine Sitzungen?

Mit einem Fokus auf der Selbstfürsorge und Achtsamkeit versuche ich das Individuum in seinem Selbstvertrauen und seiner Bedürfnisäusserung zu stärken. Ich zeige mich authentisch und nutze auch gerne die Heilkraft des Lachens wie zum Beispiel mit einem Witz, wenn es passt. 

"Ich zeige mich authentisch und bediene mich auch gerne einmal der Heilkraft des Lachens"

Welche Faktoren wirken sich positiv auf die gemeinsame Therapie aus? 

Der grösste Wirkfaktor stellt die therapeutische Beziehung dar. Fühlt sich die behandelnde Person empathisch verstanden und kann sich in seiner Gefühlsäusserung gegenüber dem Therapeuten/der Therapeutin öffnen wirkt sich dies positiv auf den Therapieprozess aus. 

 

Was beeinflusst die Länge einer Therapie? 

Die Länge der Therapie ist von unzähligen unterschiedlichen Faktoren abhängig. Der Prozess ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig, deshalb ist eine universelle Zeitangabe nicht möglich.  

 

Wie rasch können sich positive Resultate einstellen und auf was kommt es an?

Es gibt allgemeine Wirkfaktoren der Psychotherapie, auf welche es darauf ankommt, ab wann sich positive Effekte zeigen. Nach dem bekannten Psychotherapeuten Klaus Grawe spielen folgende Wirkfaktoren eine Rolle: die therapeutische Beziehung, die Ressourcenaktivierung, der Zugang des Problems, die Motivation sowie die Bewältigung des Problems. In diesem Sinne treten erste positive Resultate einer Psychotherapie sehr unterschiedlich auf.

 

Welche Fokus/- Spezialgebiete berätst / therapierst du oft?

Ich berate häufig Menschen in unterschiedlichen Stresssituationen, mit Depressionen, Ängsten, Beziehungsproblemen, Probleme mit dem Job und Schlafstörungen. Ausserdem berate ich oft Jugendliche und deren Familien in der Ablösungsphase. In der Pubertät streben Jugendliche nach mehr Autonomie und entwickeln ihre eigene Identität. Aufgrund dieser Entwicklungsaufgabe kann es zu familiären Konflikten kommen, in welchen ich Familien sehr gerne unterstütze.

 

Was macht dich zu einer Expertin in diesem Bereich?

Meine mehrjährige Erfahrung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mit Kindern und Jugendlichen ist das systemische Arbeiten unabdingbar, weil Kinder und Jugendliche sehr stark systemisch verbunden sind mit ihrem Umfeld. 

Ausserdem bilde ich mich ständig weiter in den Bereichen Umgang mit Stress, Achtsamkeit, Entspannung und in der Förderung von gesunden Beziehungen. Wertvolle Strategien probiere ich gerne selber aus, um meine eigenen Erfahrungen in den therapeutischen Prozess miteinzubringen.  

 

Wie erkennt man Symptome früh genug? 

Sobald es ihnen häufig nicht gut geht und der Leidensdruck gross ist. Wenn sie zudem bemerken, dass ihre Strategien im Umgang mit negativen Gefühlen vielleicht nicht mehr ausreichen. 

 

Wie gehst du diese Problemstellungen in deinen Therapiesitzungen an?

Dies ist stark individuell abhängig von der zu beratenden Person. Zuerst versuchen wir die verschiedenen Problembereiche gemeinsam anzuschauen und eine Priorisierung zu machen, welchem Bereich wir uns zuerst widmen. Parallel dazu versuchen wir ihre Stärken in den Prozess einfliessen zu lassen. 

 

Wie erkennt man, ob man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte?

Wenn ihr Leidensdruck gross ist und sie beispielsweise in ihren Beziehungen, im Job oder unter ihren Gedanken und Gefühlen leiden. Sobald sie das Gefühl haben, mit einem oder verschiedenen Themen in einer Einbahnstrasse zu sein und eine objektive Perspektive von aussen brauchen könnten. 

 

Welche Übungen gibst du deinen Klienten gerne mit und wieso? 

Achtsamkeits- und Entspannungsübungen. Diese Übungen schulen die Selbstwahrnehmung, helfen im Moment zu sein und dienen dem Stressabbau. 

 

Was kann jemand tun, wenn er einer Drittperson in einer sehr belastenden Situation helfen möchte?

Sich allenfalls selber Unterstützung suchen, wie er/sie sich im Umgang mit dieser Drittperson verhalten könnte. Ausserdem gut auf seine eigene Selbstfürsorge und Energiereserven zu achten und auch eigene Grenzen kommunizieren. In diesem Fall auch Adressen zur Verfügung stellen, an welche sich die „Drittperson“ wenden könnte. 

Ramona Zenger

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