Martina Holzach: Vom Himalaya über die USA zurück in die Schweiz

Porträt-Serie Psychotherapeut:innen | 7th Jul 2023

2020 führte das Leben Martina Holzach abrupt und früher als erwartet zurück in die Schweiz. Mit im Gepäck: Ein Masterabschluss in Psychologie, ein weiterer Master in kontemplativer Psychotherapie und buddhistischer Psychologie und ein Wissensschatz an Erfahrungen aus dem Himalaya. Mit Aepsy fasste die Traumaspezialistin und Sportpsychologin nach den mehrjährigen studienbedingten Auslandaufenthalten wieder Fuss in ihrer Heimat. Seit 2021 betreut sie in ihrer Selbstständigkeit Klient:innen über die Aepsy-Plattform.

Im Interview mit Aepsy erzählt sie mehr zu ihrer Berufung, Menschen unterstützend durch herausfordernde Lebensphasen zu begleiten.

Du bist Psychologin und Psychotherapeutin und hilfst so deinen Klient:innen schwierige Zeiten zu navigieren, daran zu wachsen und vielleicht sogar sich selbst zu finden. In einer Welt, in der wir am liebsten einfach einen Knopf drücken würden, der alle unsere Probleme löst – was macht gerade die Gesprächstherapie so wirksam?

Es ist nicht nur die Gesprächstherapie alleine, die hilft. Mit einer psychologischen Fachperson als externe Bezugsperson wird ein Raum geschaffen, in dem die hilfesuchende Person sich sicher und aufgehoben fühlt. Die Kombination des somatischen und reflektierten Arbeitens gibt Klienten:innen die Möglichkeit sich selber besser kennenzulernen, ihr Nervensystem besser zu regulieren und neue neurologische Verbindungen zu kreieren. Dies trägt massgeblich dazu bei, dass man sich mit sich selbst wohler fühlt und sich für bestimmte Lebenssituationen besser gewappnet fühlt.

Viele Menschen sind unsicher, ob und wann sie sich Hilfe holen sollen. Wie erkennt man, dass der Zeitpunkt gekommen ist, um eine Gesprächstherapie oder ein psychologisches Coaching zu starten? Gibt es überhaupt einen richtigen Zeitpunkt dafür?

Persönlich finde ich, eine Therapie oder ein psychologisches Coaching kann man jederzeit starten. Während meiner Zeit in den USA faszinierte mich immer wieder, wie die Menschen um mich herum schon lange therapeutische Unterstützung in Anspruch nahmen. Manche aufgrund psychischer Probleme, andere um dunkle Stellen zu beleuchten oder eine bessere Version von sich selbst zu werden. Darüber wurde auch immer offen gesprochen.

Ich selbst finde es immer spannend, mit meiner Therapeutin zu arbeiten, um meine inneren Muster und Verhaltensweisen besser zu verstehen und zu reflektieren. Es hilft mir abzulegen, was mir nicht mehr dienlich ist und aufzunehmen, was mich auf meinem momentanen Weg unterstützen könnte.

Es ist wichtig zu verstehen, dass man nicht erst eine akute Krise abwarten muss, bis man sich Unterstützung holt.

Die persönliche Beziehung zur behandelnden Fachperson trägt stark zum Erfolg einer Gesprächstherapie oder eines Coachings bei. Wie weiss man, ob man die richtige Person gefunden hat?

Ich sage immer, dass es okay ist «Therapeuten-Shopping» zu machen. Es ist sicher hilfreich, etwa 3 Sitzungen zu machen und dann zusammen mit der Therapeutin oder dem Psychologen zu reflektieren, wie und ob es passt. Manchmal spürt man aber auch von Anfang an, dass die Synergie sich nicht stimmig anfühlt. Es ist wichtig zu wissen, dass es absolut in Ordnung ist zu sagen «für mich stimmt es irgendwie nicht». Das nimmt die Fachperson niemandem übel und das muss auch nicht detailliert erklärt oder gerechtfertigt werden.

Menschen dabei zu helfen, kleine mentale Herausforderungen oder grosse emotionale Stürme im Leben zu navigieren ist dein Beruf – deine Berufung. Wann oder wie hast du das für dich herausgefunden?

Die Leidenschaft, für andere Menschen da zu sein, war schon immer in mir. Die Arbeit mit Menschen, zusammen mit ihnen in ihre Prozesse einzutauchen, hat mir schon früh Freude bereitet. Dabei hat mich sicherlich auch meine eigene Lebensgeschichte mit der einen oder anderen Lebenskrise beeinflusst.

Gibt es jemanden, der oder die dich auf dem Weg zur Psychotherapeutin beeinflusst hat?

Die Präsenz und Klarheit meiner eigenen Therapeut:innen und Supervisor:innen beeinflusst meine Arbeit auf jeden Fall. Sie geben mir immer wieder neue Denkanstösse und ich entwickle mich auch selbst als Psychotherapeutin weiter. Auch meine buddhistischen Lehrer haben mich auf meinem Weg zur Psychotherapeutin geprägt. Wenn ich selbst vor mentalen Herausforderungen stehe, helfen mir meine persönliche Reflexion und genau diese Gespräche. Zudem habe ich mir eine Meditationspraxis angewöhnt, die mir sehr hilft.

Was schätzt du am meisten an deiner Arbeit?

Die Kreativität und Offenheit, immer wieder Neues zu lernen. Nicht nur von meinen Lehrer:innen und durch Weiterbildungen, sondern besonders auch von meinen Klienten:innen.

Was mir besonders viel Freude bereitet ist mitzuerleben, wie Klientinnen oder Klienten nach dunklen Zeiten im Laufe unserer Sitzungen wieder anfangen zu leuchten und ihre eigene, persönliche Kraft wieder finden.

Warum hast du dich dafür entschieden, dich selbstständig zu machen und dafür die Aepsy-Plattform zu nutzen?

Die Pandemie führte dazu, dass ich von den USA in die Schweiz zurückkommen musste. Da es für mich zu der Zeit initial schwierig war, in der Schweiz wieder Fuss zu fassen, habe ich nach Alternativen Ausschau gehalten. Als ich dabei auf Aepsy gestossen bin, hat mich das Konzept sehr angesprochen. Das Team von Aepsy machte es mir dann einfach, mit der Plattform zu starten. Sie kreierten eine herzliche und liebevolle Atmosphäre, dank der ich mich nach meinem Umzug in die Schweiz auch das erste Mal wieder so richtig willkommen gefühlt habe.

An meiner Arbeit über die Plattform schätze ich besonders die Freiheiten, die die Selbstständigkeit mir gibt. Dabei erhalte ich von Aepsy auch die richtige Unterstützung, um mich voll und ganz auf meine Berufung konzentrieren zu können. Ich finde die Intention von Aepsy super. Es ist schön, dass Menschen, die Unterstützung brauchen, diese schnell und unkompliziert bekommen können.

Was möchtest du unseren Leser:innen mit auf den Weg geben?

Persönlich finde ich es wichtig zu sagen, dass es nicht für Schwäche steht, mit Therapeut:innen oder Psycholog:innen zu arbeiten. Ich arbeite viel mit Sportlerinnen und Sportlern und sage immer, dass mehr als 80 % der Leistung (je nach Studie) mentale Kraft ist. In unserer Gesellschaft wird jedoch immer noch viel Fokus auf den Körper gelegt (physische Gesundheit) und der Geist wird dabei aber zu oft noch vernachlässigt. Unser Geist und somit das psychische Wohlbefinden ist eine fundamentale Ressource, um ein erfülltes und gutes Leben zu führen. Somit möchte ich alle dazu ermuntern, sich mit dem Gedanken auseinander zu setzen, und bei Bedarf einfach mal eine Psychotherapie oder ein psychologisches Coaching auszuprobieren.

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Über Martina

Seit 2018 ist Martina Holzach als Psychotherapeutin tätig. Nach ihrem Masterbschluss in Psychologie mit Schwerpunkt Motivationspsychologie hat sie sieben Saisons im Himalaya (Tibet, Nepal und Ladakh) verbracht, um dort unter anderem Buddhismus an der Universität Kathmandu sowie im Eigenstudium zu studieren. Gleichzeitig leitete sie Hochgebirgstouren und Kulturreisen. In der Wintersaison zog es sie jeweils zurück in die Schweiz, wo sie mit Profisportler:innen sowie auch als Yogalehrerin und -therapeutin arbeitete. 2017 zog sie nach Boulder, Colorado, um an der Naropa Universität ihrer Leidenschaft zu folgen und sich in östlicher und westlicher Wissenschaft, Buddhismus und Psychotherapie weiterzubilden. Seit 2021 nutzt sie in ihrer Selbstständigkeit Aepsy, um ihren Klient:innen zur Seite zu stehen. Erfahre mehr über Martina Holzach auf Aepsy.

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Sarah di Aepsy

Aepsy ist menschliche Kreativität, Ästhetik und Technologie für einfachen, stigmafreien Zugang zu mentaler Gesundheit. Wir reissen Hürden ein und setzten Köpfe frei. Bis alle mental befreit ihren Träumen folgen können. Für uns, für dich und die Generationen nach uns.

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